| |
Verbandsnachrichten Güterkraftverkehr
30.06.2008
Die Lkw-Mautlüge
Die Bundesregierung plant drastische Mauterhöhungen zum 01.01.2009
und täuscht die Öffentlichkeit mit „geschönten“ Zahlen. Der
Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. hat
dies zum Anlass genommen, sich an die Ministerpräsidenten der Länder zu
wenden, um die geänderte Mauthöheverordnung im September im Bundesrat
zu stoppen. Wie das BGL-Präsidium in einem Schreiben darlegt,
geht das BMVBS in seinen Berechnungen von Mautmehreinnahmen in Höhe von
740 Mio. Euro jährlich aus. Tatsächlich errechnen sich auf der
Basis der Fahrleistungsanteile unterschiedlich bemauteter
Lkw-Schadstoffklassen Mautmehreinnahmen von 2,2 Mrd. Euro p.a. Selbst wenn bis zum Stichtag der Mauterhöhung,
01.01.2009, der Fahrleistungsanteil der günstigsten Schadstoffklasse
noch um 15 Prozentpunkte zunehmen sollte (entspricht der
Steigerungsrate 2007 auf 2008 durch das Innovationsprogramm), und im
Gegenzug die häufigste Schadstoffklasse S3 in ihren Fahrleistungen
entsprechend abnimmt, bleibt es immer noch bei Mautmehreinnahmen von 1,9 Mrd. Euro p.a. (vgl. Tabelle 2). Das
BMVBS begründet die vorgesehenen Mauterhöhungen mit Wegekosten, die zum
Teil auf aberwitzigen Rechenannahmen beruhen. So soll das Gewerbe
höhere kalkulatorische Zinsen auf das in den Straßen gebundene Kapital
zahlen. Zinsen werden allerdings auch auf niemals investiertes Kapital erhoben,
weil die Wegekostenrechnungen des BMVBS von den jeweiligen Neubauwerten
der Jahre 2008, 2010 und 2012 ausgehen. Auch das Land, auf dem Straßen
errichtet wurde, wird mit Rohbaulandpreisen dieser
Jahre „geschätzt“ und in die Rechnung eingebracht. Das tatsächlich vom
Staat aufgebrachte Bruttoanlagevermögen (ohne Grundstücke) von rund 190
Mrd. Euro erhöht sich so auf fiktive und kostentreibende Weise auf 307
Mrd. Euro. Da das Gewerbe diese Luftbuchungen verzinsen muss, steigt
der Anteil der Zinslasten an den Wegekosten auf gut 50 % der
Gesamtkosten!!! Der BGL plädiert in seinem Schreiben an die
Ministerpräsidenten der Länder, einer derartigen Rechnung die
Zustimmung zu verweigern. In letzter Konsequenz würde eine derartige
Rechnungsmethode – auf Bundesschienenwege angewandt – dazu führen, dass
der Öffentliche Personennahverkehr in seinem bisherigen Umfang für
Verbraucher und die bestellenden Länder und Kommunen unbezahlbar wird. Skandalös
für den BGL ist die Tatsache, dass die geplante Lkw-Mauterhöhung in
einer Zeit betrieben wird, in denen das deutsche Gewerbe mit dem Rücken
zur Wand steht. Zahlreiche mittelständische Transportunternehmen
kämpfen auf Grund drastisch gestiegener Dieselpreise verzweifelt um das
Überleben. Die galoppierende Dieselinflation ermöglicht kaum eine
schnelle und umfassende Weitergabe der Mehrkosten an den Märkten. Ein
Großteil der Betriebe muss deshalb „rote Zahlen“ schreiben und Tausende
von Arbeitsplätzen stehen akut auf dem Spiel. Die Insolvenzverluste
haben sich in den ersten Monaten des Jahres mehr als verdoppelt! „Der
Staat verstärkt diesen Druck und wird so zum gnadenlosen Totengräber
deutscher Transportunternehmen und deren Arbeitsplätze“, fügt
BGL-Präsident Grewer warnend hinzu. Für den BGL ist klar, dass
die Bundesregierung mit ihren offenen und verdeckten Abgabenerhöhungen
die Menschen in Deutschland kräftig „abzockt“. So geht ein nicht
unbeträchtlicher Teil der erdrückenden Teuerung auf die
Mehrwertsteuererhöhung, verdeckte Steuererhöhungen für Biokraftstoffe
und energieverteuernde Klimaschutzprogramme zurück. Auch die jetzt
geplante Erhöhung der Lkw-Maut um 40 % bis 90 % – je nach
Schadstoffklasse – wird die Transportkosten der Wirtschaft erheblich
verteuern und letztendlich beim Verbraucher landen. Es sind eben nicht
nur Ölmultis, Ölproduzenten und Spekulanten, sondern auch der
„raffgierige Staat“, die das 15-Jahreshoch bei der Inflation zu
verantworten haben. BGL-Präsident Grewer bemerkt hierzu:
„Bundeskanzlerin Merkel lässt einfach zu, dass alles noch teurer für
die Verbraucher wird.“
<< Zu den Verbandsnachrichten Güterkraftverkehr 2008
|
 |